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«Stromer sind im Unterhalt günstiger»

21.03.2024

Nicht immer reicht ein Coffee to go aus, um die Wartezeit an der E-Tankstelle mit Genuss zu überbrücken. Gute Planung und Vorbereitung tragen dazu bei, die Ladezeiten möglichst kurz zu halten. Bild: Shutterstock

Die Politik hat klargemacht: Die Zukunft gehört den Elektroautos – wir alle werden also irgendwann umsteigen müssen. Wie dieser Umstieg am besten gelingt, haben wir mit dem Garagisten Roger Hägi besprochen. Von Rolf Fehlmann


Elektroautos: Das ist wichtig für den Umstieg

Eignung: Ein Elektroauto lohnt sich dann, wenn man pro Tag so viel fährt, dass man das Fahrzeug nachts zu Hause wieder aufladen kann.

Aufladen:Ideal ist es, das Auto zu Hause über Nacht aufzuladen. Die Haushaltssteckdose hat jedoch eine geringe Ladeleistung, und es kann Probleme mit der Sicherheit geben. Für schnelleres und sicheres Laden empfiehlt sich die Installation einer Ladestation (Wallbox).

Planung:Für längere Fahrten sollten mithilfe des Navigationssystems Ladepausen eingeplant werden. Neuere Modelle lassen sich an E-Zapfsäulen in weniger als 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent der Akkukapazität laden.

Bezahlsysteme:Wer extern Strom «tankt», muss über eine passende Bezahlmöglichkeit verfügen. Der Garagist kennt sich auch damit aus. (rf.)

«Wir müssen uns damit abfinden, dass auf unseren Strassen über kurz oder lang keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr unterwegs sein werden», sagt Roger Hägi, und fügt an: «Sofern die Politik durchsetzt, was sie bis 2035 beschlossen hat.» Er spielt dabei auf das geplante Verbot an, ab dem 1. Januar 2035 in der EU keine neuen Verbrennerfahrzeuge mehr zuzulassen. Zwar gibt es da und dort noch Zweifel an der geplanten Umsetzung, doch die meisten Autohersteller bekennen sich heute mit ihren Modellpaletten zur Elektromobilität – auch der Hersteller Volvo, den Hägi mit seiner Garage Nordstern vertritt. «Stand heute ist es aber so, dass auf dem Gebiet der Elektromobilität noch sehr viel Entwicklung stattfindet, und dass bis 2035 noch viel geschehen wird.»


Entscheidend ist, wie weit man fährt

Wer heute ein neues Auto kauft, hat also nach wie vor die Wahl zwischen Verbrenner- und Elektrofahrzeugen. Hägi: «Darum evaluieren wir zuallererst, ob ein Elektrofahrzeug überhaupt die beste Wahl ist.» Es gebe Fahrprofile, zu denen ein Elektrofahrzeug perfekt passt, aber auch solche, bei denen ein Plugin-Hybrid mehr bringen würde. «Und schliesslich gibt es auch Fälle, in denen wir empfehlen, ein Fahrzeug mit einem herkömmlichen Verbrennermotor zu kaufen.» Hägi denkt dabei etwa an Mitarbeitende im Aussendienst, die jeden Tag auf der Autobahn unterwegs sind. «In einem solchen Fall empfehlen wir den Kauf eines Verbrenners, weil durch die Nutzung externer Ladeinfrastruktur erhöhte Kosten anfallen würden.» Die geladene Kilowattstunde kostet laut Hägi mindestens doppelt bis dreimal so viel wie beim Laden an der heimischen Steckdose.


Das Herantasten an die Reichweite

Bei Umsteigewilligen bestehe die grösste Unsicherheit beim Thema Reichweite: «Diese Unsicherheit kann ich nicht restlos beseitigen», sagt Hägi. «Die Kunden müssen ihr Fahrzeug kennenlernen und herausfinden, wie gross bei ihrem Nutzungsverhalten die Reichweite letztlich ist.» Für ihn persönlich sei die Reichweite heutzutage das wichtigste Kriterium: «Man ist sich von Verbrennern 600 Kilometer und mehr gewohnt, und bei einem Elektrofahrzeug sind es, gezählt, 400 Kilometer und mehr.» Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, wie man Reichweite nutzen und Wartezeiten beim Laden verringern könne.

So solle man etwa den Akku nur dann auf 100 Prozent laden, wenn man das auch wirklich brauche: «Man schont den Akku, wenn man ihn bloss auf 80 oder 90 Prozent lädt.» Zudem solle man an der heimischen Ladeanlage den Akku vor der Fahrt auf Betriebstemperatur bringen, um die Einbusse an Reichweite zu minimieren, und längere Fahrten mithilfe des Navigationssystems planen. «Es lotst einen zu freien Ladestellen und bereitet das Auto auf dem Weg dorthin so vor, dass es den benötigten Strom möglichst schnell ‹tanken› kann.»


Die Kosten im Blick haben

Wie teuer ist eigentlich ein Elektroauto im Betrieb? Hägi: «Ein Verbrennerauto verbraucht pro 100 Kilometer etwa fünf bis sieben Liter Benzin oder Diesel. Das kostet bei einem Mischpreis von etwa 1.80 Franken pro Liter nahezu elf Franken.» Ein E-Auto, das pro 100 Kilometer etwa 18 Kilowatt Strom benötigt, verursacht laut Hägi an der heimischen Ladestation Stromkosten von rund sieben Franken (bei einem Preis von 40 Rappen pro Kilowattstunde). Ausserdem benötigten Stromer bloss alle zwei Jahre einen Service, und die Servicekosten seien deutlich tiefer, weil bei Elektrofahrzeugen kein Verschleissmaterial ersetzt werden müsse. Hägis Fazit: «Unter dem Strich ist ein Elektroauto im Unterhalt günstiger.»
 

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